Es reicht…

Die momentane Situation der Kirche bezüglich der Missbrauchsfälle ist tragisch. Jeder Fall ist einer zu viel und jedes Opfer hat eine angemessene Unterstützung verdient und jeder Täter soll zur Rechenschaft gezogen werden. Die Aufklärung von alten Fällen und die Untersuchung von Fällen jüngeren Datums ist nicht einfach, aber absolut notwendig! – Das ist meine Meinung.

Kennt ihr das Bild vom Wollknäuel, um den viele Personen sitzen und jede zieht an einem Faden? – Damit werden Probleme nicht gelöst, sondern geschaffen. Jede Person meint, sie habe den Anfang des Wollknäuels gefunden und zieht frisch drauflos. Damit entstehen Knoten, die man fast nicht mehr lösen kann.

Dieses Bild entspricht der momentanen Diskussion um die Missbrauchsfälle und dem „Nebenthema“ Zölibat, die eine kirchliche, aber auch eine gesellschaftliche ist! Jede/r meint, sie/er habe die ultimative Lösung. Ein paar Beispiele seien da angefügt:

  • Schwarze Liste einführen
  • Zölibat abschaffen/ lockern
  • Der Staat soll schauen
  • Generalverdacht gegenüber Geistlichen
  • Es besteht kein Handlungsbedarf
  • Priesteranwärter sollen von „Sexologen“ geschult werden
  • Psycho-Tests einführen für Theologiestudenten
  • Dozenten müssen „Verdächtige“ dem Regens bzw. Bischof melden
  • etc. etc.

Dies ein paar Muster aus der momentanen Diskussion, die gar keine ist. Alle diese Vorschläge mögen ja gut gemeint sein, aber leider ist „gut gemeint“ vielfach das Gegenteil von gut! – Es ist klar, dass solche supergenialen, neuen Ideen und Forderungen definitiv nicht helfen, das Problem der Pädophilie in der Gesellschaft (und hier ausdrücklich Gesellschaft und nicht nur Priester) zu lösen. Im Gegenteil es lenkt vom Wesentlichen ab, damit man sich mit der eigentlichen Problematik nicht weiter beschäftigen muss.

Pädophilie ist eine Störung der Sexualpräferenz (nach ICD-10 F65.4 Link: ICD-10-Codes). Diese Störung betrifft nicht nur klerikale Personen, sondern zum grössten Teil Personen, die in der Gesellschaft weit weniger ausgestellt sind. Diese Störung ist teilweise terapierbar (die Rückfallquote ist leider sehr hoch) und kann nicht einfach „weg-geheiratet“ werden. Wenn es so einfach wäre, dann dürfte kein einziger Familienvater eine pädophile Störung haben! – Dass die Kirche, wie auch die Gesellschaft, in der Vergangenheit diese Störung nicht als Störung erkannt hat, kann heute niemand mehr bestreiten. Es ist auch vollkommen klar, dass die Störung der Sexualpräferenz nicht mit einer Versetzung geheilt werden kann. Es reicht auch nicht, wenn man sich auf das Versprechen einer pädophilen Person stützt, dass sie sich in Zukunft zusammen nehmen wird, und keine Übergriffe mehr machen wird.

Es reicht jedoch langsam mit all diesen ideologischen, polemischen und unreflektierten Aussagen vieler verschiedener Personen der Kirche, der Gesellschaft, die die Medien füttern. Die Medien machen daraus einen Skandal (der wirklich einer ist), aber nicht auf konstruktive Art und Weise. Die Meldungen der Medien zielen auf die Sensationsgierde des Menschen. Das fördert vielleicht die Auflage oder die Zuschauerzahl, aber mitnichten die Diskussion um dieses gesellschaftliche Problem der Pädophilie, das sich auch zu einem sehr hohen Prozentanteil dank dem Internet frischfröhlich verbreitet.

Die Debatte um die Missbrauchsfälle ist eine Gewissensforschung für die Gesellschaft. Aber es ist natürlich viel leichter die Probleme, die Störungen anderer zu Skandälen zu machen, als bei sich die Fehler einzugestehen, die gemacht worden sind. Es gehört ebenfalls nicht zum „guten Ton“, wenn die Gesellschaft (vorallem auch die Medien) Selbstjustiz übt, sich selbst detektivisch betätigt. Das heisst nicht, dass sich die Opfer nicht bei den zuständigen Anlaufstellen, oder den Behörden melden sollen. Aber man soll die Rechtswege achten und einhalten.

Zu gut wissen wir, dass jegliche Diskussion, die über die Medien geführt wird nur zur Erhitzung der Gemüter führt.

Nehmen wir diesen Vers aus dem 1 Timotheus-Brief 5,24 ernst: Die Sünden mancher Leute liegen offen zutage, sie laufen ihnen gleichsam voraus zum Gericht; bei anderen kommen sie erst hinterher. – Bei dem „hinterher“ sind wir jetzt und es gilt die Aufarbeitung.

So wünsche ich trotz allem eine besinnliche Karwoche und dann ein frohes Osterfest.

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Die Schweizer Bischöfe fordern in ihrem Communiqué unter Punkt 8 auf: Die österliche Busszeit lädt dazu ein, Schuld anzuerkennen, Fehlverhalten aufzuarbeiten, Wege der Besserung zu finden und Gott und die Menschen um Vergebung zu bitten. Wir danken allen Gläubigen, die jetzt dazu beitragen, dass unsere Kirche den Weg zu immer grösserer Glaubwürdigkeit findet. (http://www.kath.net/detail.php?id=26195)

Der Präsident der SBK, Bischof Norbert Brunner nimmt dazu noch persönlich Stellung: http://www.kipa-apic.ch/index.php?pw=kineupa&na=0,0,0,0,d&ki=206401

Die Stellungnahme des Bistums Chur: http://bistum-chur.ch/am_sonstiges_186.html