Wieder ist Ostern. Wo bleibt Jesus?

„Dies ist die Nacht…“ wird im Osterlob, dem Exsultet, in der Osternachtsliturgie der katholischen Kirche gesungen. Ein Weihegesang für die Osterkerze, die von da an die Gemeinde vor Ort daran erinnern soll, dass Jesus unter ihnen lebt und wohnt. Ein Licht, das nicht erlöscht und auch dann brennt, wenn es um uns und in uns dunkel werden sollte.

„Dies ist die Nacht…“ weist uns aber auch darauf hin, dass das liturgische Geschehen keine Zeit kennt. Es ist eine Vergegenwärtigung (obwohl dieser Ausdruck auch falsch ist), vielleicht eher eine Ver-Momentlichung von Gewesenem, Jetzigem und Zukünftigem. In dieser Nacht feiern wir die Auferstehung Jesu Christi, wir feiern das gegenwärtige Leben der Menschen, die mit ihm unterwegs sein dürfen und wir feiern die Zukunft, die uns Menschen über den Tod hinaus geschenkt ist. Alles in einem Moment.

Und jedes Jahr feiern wir auch die Wiederkunft Christi, die Vollendung der Welt und ihrer Geschöpfe. Und gleichzeitig wissen wir, was Jesus zu seinen Jüngern und Jüngerinnen gesagt hat: „Ihr kennt weder den Tag noch die Stunde“ (Mt 25,13). – Und das ist gut so.

Denn, wäre der Zeitpunkt der Wiederkunft bekannt, so würden alle auf diese verheissenen „besseren Zeiten“ warten. Es ginge nichts mehr hier auf Erden. Das Nicht-Wissen nimmt uns in die Pflicht, dieses Leben, das uns geschenkt ist, gut zu leben, es so zu gestalten, dass Jesus Freude daran hat, wenn er wiederkommt.

Ja, es ist wieder Ostern und wir fragen uns: Wo bleibt Jesus? – Dieses Fest der Auferstehung weist uns – pompös, aber gleichzeitig auch ganz fein und leise – darauf hin, dass dieser Jesus schon heute unter uns lebt. In jedem und jeder wirkt er das gute Werk, führt uns zueinander und damit gleichzeitig zu ihm. Er, von dem wir die Wiederkunft erwarten mit Rauch, Blitz und Donner, ist schon unter uns. Und so führt uns die Frage „Wo bleibt Jesus?“ geradewegs zu uns selbst und die Frage stellt sich uns: „Wo bleibe ich?“

Geben wir Ostern diese Chance des Lebens, das mehr ist, als was wir gemeinhin für das Leben halten. Ostern ist, wenn der Geist Jesu Christi in uns und durch uns wirken darf und wir so alle auferstehen zum Leben in Fülle. Gehen wir zusammen den Weg.

Χριστός ἀνέστη! – Christus ist auferstanden!