Benjamin Meier | benjmeier

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Wenn es Ostern wird …

Unsere Pfarreien sind die Hoffnung der Welt.
Nein, Tatsache ist,
dass Gott hier nicht mehr wohnt.
Ich glaube nicht,
dass Freude möglich ist,
dass es sich in Gemeinschaft besser lebt,
dass wir einander radikal lieben sollen.
Die Wahrheit ist,
dass die Gemeinden kurz vor dem Aus stehen.
Ich weigere mich zu glauben,
dass wir Teil von etwas sind, das über uns selbst hinaus reicht
und
dass wir verändert wurden, um zu verändern.
Es ist doch ganz klar,
dass Armut zu übermächtig ist,
dass Rassismus nicht zu überwinden ist.
Dass das Böse niemals zu besiegen sein wird.
Ich kann unmöglich glauben,
dass Dinge sich in der Zukunft zum Besseren wenden.
Es wird sich herausstellen,
dass Gott nicht helfen kann,
und du liegst falsch, wenn du glaubst,
Gott kann.
Ich bin davon überzeugt:
man kann Dinge nicht verändern.
Es wäre eine Lüge, würde ich sagen:
Gott kümmert sich!

(Und nun, den Text bitte Zeile für Zeile von unten nach oben lesen!)

Linzer Bibelsaat Nr. 135/Dezember 2015

Bildnachweis: https://klebeheld.de/wandtattoos-sprueche-sprichwoerter-motivation-wandtattoo-manchmal-muss-man-die-perspektive-wechseln

Unter die Oberfläche schauen

Immer wieder hört man, dass nur „an der Oberfläche gekratzt“ wurde. Man getraut sich nicht tiefer zu schauen, um nicht Gefahr zu laufen in den Abgrund zu blicken, der sich hinter der Fassade auftun könnte. Auf der anderen Seite hört man, dass „endlich aufgeräumt“ werden müsse, endlich Reformen durchgeführt werden sollen.
Doch jene, welche diese bekämpfen, haben Angst vor dem Offenbarwerden der eigenen Geschichte und jene, welche sie befürworten, machen es nur halbherzig, weil sie die eigene Bequemlichkeit nicht überwinden können und Liebgewordenes nicht abstreifen wollen. Reformen durchzuführen heisst aber, der unangenehmen Geschichte (auch der eigenen) ins Gesicht zu schauen, ihre Vielschichtigkeit aufzuklären und Massnahmen zu ergreifen, welche auch mein eigenes Leben beeinflussen, egal auf welcher Seite ich stehe.
Die Fastenzeit lädt ein, nicht nur an der Oberfläche zu kratzen, sondern tiefer zu blicken. Die verschiedenen Schichten des eigenen Selbsts sollen zu Tage treten können. Einige Schichten sind schöner als andere, aber auch diese dunkleren Schichten wollen wahrgenommen und nicht einfach verdeckt werden. Im religiösen Bereich nennt man dies „Gewissenserforschung“. Es ist eine geistliche und höchst spirituelle Übung, welche es uns ermöglicht unser Leben zu reflektieren. Nur so können wahre Reformen im eigenen Leben und im Leben überhaupt greifen. Re-Formen, wieder in die „Form bringen“ ist vielleicht das, was die Fastenzeit uns schenken kann.
Papst Franziskus lädt uns Christen im heiligen „Jahr der Barmherzigkeit“ ein, das Sakrament der Busse und Versöhnung ganz bewusst in Anspruch zu nehmen. Es stimmt, dass Versöhnung an ganz verschiedenen Orten kirchlichen und christlich-menschlichem Leben stattfindet, doch liegt diesem Sakrament eine ganz eigene Kraft inne. Der gnadenvolle Zuspruch Gottes wird in diesem Zeichen der Liebe Gottes auf ganz eigene Art spürbar. Gott will nicht, dass wir in unserem Leben nur an der Oberfläche kratzen. Er will, dass wir uns verantwortungsvoll mit unserem Leben in all seinen Schichten beschäftigen, uns mit unserer Geschichte beschäftigen und es zulassen, uns von seiner Liebe verwandeln lassen.
Wer eine Reform will, muss also unter die Oberfläche schauen und vielleicht kann uns dabei die Beichte eine grosse Hilfe sein.

Bild: Restaurations-Ansicht in: Ons‘ Lieve Heer ob Solder, Amsterdam. Siehe auch hier.

Veronika

Die heilige Veronika (Gedenktag am 4. Februar), keine Figur des klassischen Bibelkanons, sondern eine Gestalt aus dem Nikodemusevangelium. Nichts desto trotz, kann uns die Veronika in die Nähe Jesu bringen.

Kennst du den Spruch oder das Gefühl, „sich wie ein trockener Schwamm zu fühlen“? Es gibt Zeiten, wo wir uns ausgelaugt fühlen, aber gleichzeitig nach frischem Wasser lechzen. (vgl. Ps 42) Wer sich aber so ausgetrocknet fühlt, dem fehlt meistens die Kraft, nach diesem belebenden Wasser zu suchen. Sich leblos fühlen, aber gleichzeitig ganz offen sein für das, was uns beleben will. Wir brauchen immer wieder dieses Wasser das uns belebt.

Und vielleicht können wir uns im Schweisstuch, das Veronika Jesu hingibt, auch uns selbst erkennen. Veronika bietet ihre Hilfe nicht nur Jesus an. Nein, sie hält vielleicht auch uns in den Händen und streckt uns als trockenes Tuch Jesus entgegen, weil wir es selbst vielleicht nicht schaffen würden. So wird das Bild von Jesus, der ja die Quelle des lebendigen Wassers ist, in uns eingeprägt. Christus belebt uns und prägt unser Dasein, so, dass wir ihm ähnlicher werden. So, dass jedes von uns für andere zum Bildnis Jesu wird. Als Christen sind wir aufgerufen, diesem Bild Christi immer ähnlicher zu werden. Sein lebendiges Wasser wird in uns zur sprudelnden Quelle für andere werden. (vgl. Joh 4,13-14)

So wollen wir immer wieder bitten: Heilige Veronika, nimm uns in deine Hände, wenn wir nicht mehr können. Streck uns Jesus entgegen, damit er sein Bild in uns einprägen kann.

Einmal am Tag…

Einmal am Tag,
da solltest du
ein Wort in deine Hände nehmen
ein Wort der Schrift.
Sei vorsichtig, es ist so schnell erdrückt
und umgeformt, damit es passt.
Versuch nicht hastig,
es zu „melken“, zu erpressen,
damit es Frömmigkeit absondert.
Sei einfach einmal still.
Das Schweigen, Hören, Staunen
ist bereits Gebet
und Anfang aller Wissenschaft und Liebe.
Betaste das Wort von allen Seiten,
dann halte es in die Sonne
und leg es an das Ohr
wie eine Muschel.
Steck es für einen Tag
wie einen Schlüssel in die Tasche,
wie einen Schlüssel zu dir selbst.
Paul Roth